Fürstin Maria Wolkonskaja

Erinnerungen*)

Buchverlag Der Morgen, Berlin (1978)

 

Titel des russischen Originals:

ЗАПИСКИ КНЯГИНИ М. Н. ВОЛКОНСКОЙ

Nachwort von Lieselotte Remané

An einem Dezemberabend des Jahres 1826 verläßt eine junge russische Frau ihr Heim, ihre Eltern und den kleinen Sohn, den sie ein Jahr zuvor geboren hat. Mascha oder Maschenka wird sie von Freunden und Angehörigen zärtlich genannt, ihr offizieller Name lautet Maria - Fürstin Maria Nikolajewna Wolkonskaja. Sie zählt zu diesem Zeitpunkt einundzwanzig Jahre.

Aufgewachsen ist sie in der luxuriösen Geborgenheit einer reichen, angesehenen Adelsfamilie. Die Eltern haben ihr die beste Ausbildung gegeben, die damals einem gescheiten Mädchen zugänglich war. Überdies ist sie musikalisch begabt und verfügt über eine angenehme Stimme. Sie ist so reizvoll, hat so schöne schwarze Augen, daß einer ihrer zahlreichen Verehrer, Alexander Puschkin, sie in liebenswürdigen Versen besingt.

Ihre geistige Entwicklung ist geprägt worden - vermutlich ihr selbst unbewußt – durch jene gebildeten, progressiven Männer, mit denen ihre Eltern verkehren: Offiziere, die gleichzeitig Wissenschaftler oder Schriftsteller sind und hohe Ämter in der Armee oder am Zarenhof bekleiden. Sicherlich ist Maria schon als junges Mädchen informiert gewesen über die Mißstände, die in ihrem Vaterland herrschen. Sie weiß aber auch, daß der Zar alle regierungskritischen Schriften und Kunstwerke verbietet, jeden Reformvorschlag ablehnt und die Verfasser mit Verboten, Verbannung, ja Einkerkerung zum Schweigen bringt.

Aber noch vor einem Jahr ahnte sie nicht, daß manch einer ihrer Verwandten und Freunde es nicht bei kritischen Reden bewenden ließ. Aus patriotischen und weltanschaulichen Gründen schlossen sich die fortschrittlichsten Repräsentanten des damaligen russischen Adels zusammen, um ihr Vaterland geistig und wirtschaftlich zu erneuern. Dazu müßte aber die Macht des absolutistischen Zarenregimes gebrochen werden. Nur so könnte man die Bauern aus der Sklaverei befreien (damals waren 45 Prozent der russischen Bauern leibeigen), den Künsten und der Wissenschaft eine ungestörte Entwicklung sichern, die Wirtschaft aus Korruption, verknöchertem Bürokratismus und rückständigem Denken lösen, kurz, gesunde, demokratische Lebensformen schaffen.

Am 14. Dezember 1825 («Dezember» heißt auf russisch «dekabr»; von diesem Wort wurde die spätere Bezeichnung «Dekabristen» abgeleitet) organisierten sie in der damaligen Hauptstadt Petersburg und vom 29. Dezember 1825 bis z. Januar 1826 in Kiew militärische Aufstände, die aber aus verschiedenen Gründen fehlschlugen, vor allem deshalb, weil die adligen Revolutionäre das Volk nicht in ihre Aktionen einbezogen. Dennoch bildete der Aufstand der Dekabristen die erste historische Etappe der russischen Befreiungsbewegung. Alexander Herzen charakterisierte sie als «Phalanx von Helden», als «verschworene Kampfgefährten», die «das Schweigen, die stumme Passivität ihres Volkes durchbrachen».

Einer von ihnen ist Fürst Sergej Wolkonski, der Mann, mit dem Maria seit einem Jahr verheiratet ist. Vor der Hochzeit kannte sie ihn kaum. Als ihr Vater, General Rajewski, ihr mitteilte, Wolkonski (der zwanzig Jahre älter ist als sie) habe um ihre Hand angehalten und er, ihr Vater, habe sie ihm gegeben, wandte sie erschrocken ein: «Aber ich empfinde gar nichts für ihn.» Das wunderte den General, denn im Allgemeinen waren er und seine Tochter stets einer Meinung, zumal sie sich auch in charakterlicher Hinsicht ähnelten: Beide waren willensstarke, furchtlose Naturen. Überdies handelte es sich bei Wolkonski um einen reichen Edelmann, einen ruhmbedeckten, ehrenhaften Offizier, der mit den klügsten Männern Petersburgs befreundet, mit den höchsten Hofbeamten verwandt war. Daß er eine verbotene Geheimgesellschaft leitete, ahnte General Rajewski ebensowenig wie seine Tochter.

Auch nach der Hochzeit hielt Fürst Wolkonski es nicht für ratsam, die junge Frau in seine Angelegenheiten einzuweihen. Sie spürte, daß er ihr etwas verschwieg, versuchte, die zwischen ihnen herrschende Fremdheit zu überwinden und sein Vertrauen zu gewinnen, doch vergeblich. Der einzige Vorgang, den sie - hochschwanger und in verständnislosem Schreck - miterlebte (und später in ihren Memoiren beschrieb), war die Verbrennung von Papieren. Weshalb ihr Mann diese Papiere vernichtete, erfuhr sie nicht.

Als sie nach der Geburt des Kindes und langer Krankheit wieder klar denken konnte, war Wolkonski verhaftet, und man sagte ihr, er sei ein Staatsverbrecher, der eine lange, vielleicht sogar lebenslängliche Strafe zu erwarten habe.

Und nun stand sie vor der schwierigsten Entscheidung ihres jungen Lebens: Sollte sie dem Drängen der bisherigen Autoritäten ihres Lebens - ihres Vaters und ihres Bruders nachgeben, indem sie ihr gewohntes, wohlbehütetes Dasein in Glanz, Reichtum und Ehre weiterführte, bei ihrem kleinen Sohn blieb mit der Aussicht, einen anderen Mann zu heiraten, da empfinde gar nichts für ihn.» Das wunderte den General, denn im Allgemeinen waren er und seine Tochter stets einer Meinung, zumal sie sich auch in charakterlicher Hinsicht ähnelten: Beide waren willensstarke, furchtlose Naturen. Überdies handelte es sich bei Wolkonski um einen reichen Edelmann, einen ruhmbedeckten, ehrenhaften Offizier, der mit den klügsten Männern Petersburgs befreundet, mit den höchsten Hofbeamten verwandt war. Daß er eine verbotene Geheimgesellschaft leitete, ahnte General Rajewski ebensowenig wie seine Tochter.

Auch nach der Hochzeit hielt Fürst Wolkonski es nicht für ratsam, die junge Frau in seine Angelegenheiten einzuweihen. Sie spürte, daß er ihr etwas verschwieg, versuchte, die zwischen ihnen herrschende Fremdheit zu überwinden und sein Vertrauen zu gewinnen, doch vergeblich. Der einzige Vorgang, den sie hochschwanger und in verständnislosem Schreck - miterlebte (und später in ihren Memoiren beschrieb), war die Verbrennung von Papieren. Weshalb ihr Mann diese Papiere vernichtete, erfuhr sie nicht.

Als sie nach der Geburt des Kindes und langer Krankheit wieder klar denken konnte, war Wolkonski verhaftet, und man sagte ihr, er sei ein Staatsverbrecher, der eine lange, vielleicht sogar lebenslängliche Strafe zu erwarten habe.

Und nun stand sie vor der schwierigsten Entscheidung ihres jungen Lebens: Sollte sie dem Drängen der bisherigen Autoritäten ihres Lebens - ihres Vaters und ihres Bruders - nachgeben, indem sie ihr gewohntes, wohlbehütetes Dasein in Glanz, Reichtum und Ehre weiterführte, bei ihrem kleinen Sohn blieb mit der Aussicht, einen anderen Mann zu heiraten, da der Zar den Ehefrauen der Dekabristen, die sich von ihren verurteilten Männern lossagten, eine schnelle Scheidung angeboten hatte? Oder sollte sie all dem für immer den Rücken kehren, sollte sie ihr Kind, ihre Eltern, die Welt der Künste und Hofbälle, die Privilegien ihres fürstlichen Standes verlassen und als Frau eines Zuchthäuslers ins Grauen der sibirischen Verbannung fahren, in Armut, Rechtlosigkeit und Demütigung, in ungewisse Gefahren und Schrecknisse?

Sie entscheidet sich für das letztere - für ihren Mann, für Sibirien. Gewiß nicht aus theoretischer Einsicht in die hohen Ziele der Dekabristen, die ihr zu diesem Zeitpunkt vermutlich noch ziemlich unbekannt sind. Vielmehr aus einem gesunden Rechtsgefühl, aus Empörung über die ungerechtfertigte Grausamkeit, mit der die Verschwörer vom Zaren behandelt werden, aus dem Verlangen, ihnen beizustehen und ihre Leiden zu lindern, und natürlich aus Liebe. Aus leidenschaftlicher selbstloser Liebe zu ihrem Mann, die ihr ganzes Leben lang anhalten und ihr helfen wird, alle Qualen, Ängste und Strapazen zu überwinden.

Maria trifft die Entscheidung allein, ohne die Gelegenheit, sich mit einer Freundin oder Schicksalsgefährtin zu beraten. Das verhindern Vater und Bruder, indem sie alle an Maria gerichteten Briefe abfangen und vernichten. Übrigens - das muß zur Ehre des wackeren Generals Rajewski gesagt werden - empfindet er später den größten Respekt vor seiner unbeirrbaren Tochter, sucht ihr, als sie in Sibirien ist, nach besten Kräften zu helfen und sagt noch auf dem Totenbett über sie: «Das ist die erstaunlichste Frau, die ich jemals kennengelernt habe.»

Maria macht sich also auf die Reise. Wie, unter welchen Umständen das geschieht, schildert sie in ihren Memoiren, die erst dreißig Jahre später, kurz nach ihrer Rückkehr aus Sibirien, entstanden. Zu diesem Zeitpunkt hat sie ihre Jugend verloren, ist leidgeprüft im wahrsten Sinne des Wortes, hineingewachsen in die Gemeinschaft der Dekabristen, ihr erfahrenes, geachtetes, verehrtes Mitglied geworden.

Ihre Tat erregte großes Aufsehen. Andere Frauen folgten ihrem Beispiel. Insgesamt waren es elf, die Kerker und Verbannung mit ihren Männern teilten. Sie leisteten ihnen und ihren gefangenen Schicksalsgefährten unschätzbare Hilfe. Sie versorgten sie mit Kleidung und Essen, hielten - weil die Gefangenen Schreibverbot hatten - für sie den brieflichen Kontakt mit ihren Angehörigen und Freunden aufrecht und durchkreuzten dadurch die Pläne des Zaren, der erreichen wollte, daß die Verbannten von der russischen Öffentlichkeit vergessen werden. Sie benutzten auch den Einfluß ihrer hochgestellten hauptstädtischen Verwandten, um Hafterleichterungen für die Gefangenen durchzusetzen und sie vor Willkürmaßnahmen sturer örtlicher Beamten zu schützen. Doch am wichtigsten war die seelische Unterstützung, die liebende Hingabe, die sie den Eingekerkerten Tag für Tag, Jahr für Jahr, Jahrzehnt für Jahrzehnt erwiesen. Mehrere Frauen bezahlten ihre Selbstlosigkeit mit einem frühen Tod in Sibirien, keine einzige überstand die primitiven Lebensbedingungen, die fürchterlichen Fröste, die ständigen Aufregungen, ohne gesundheitlich Schaden zu nehmen.

Und doch wissen wir, daß Maria Wolkonskaja und ihre Gefährtinnen nicht nur für die Gefangenen sorgten. In der späteren Periode der sogenannten Strafansiedlung setzten sie sich an der Seite ihrer Männer tatkräftig auch für die ortsansässige Bevölkerung ein. Maria unterrichtete beispielsweise die Bauernkinder in Lesen, Schreiben, Sticken und Singen, außerdem half sie dem Arzt Doktor Wolf, der im Dorf Urik in ihrem Hause lebte, bei der Herstellung von Medikamenten und in den Sprechstunden bei der Behandlung der vielen Kranken, die oft von weither zu ihm kamen.

Doch all das deutet Maria in ihren Erinnerungen nur an, ebenso ihre Ängste und Leiden. Sie schreibt auffallend sachlich, geradezu unterkühlt, schildert nur Vorgänge, Begegnungen, Erlebnisse, deren Augenzeugin oder Teilnehmerin sie war. Mit einer einzigen Ausnahme: Mit leidenschaftlicher Anteilnahme beschreibt sie die Hinrichtung der fünf Dekabristen am 13. Juli 1826.

Und daß sie Gedichte von Puschkin und Odojewski zitiert, liegt nicht etwa an einer Vorliebe für lyrische Gefühlsergüsse. Inzwischen hat sie erfahren, daß solche Gedichte einen anderen Sinn, eine andere Wirkung hatten. Sie waren politische Pamphlete, wirkten wie Flugblätter, einprägsam, leicht auswendig zu lernen, so daß sie sich von Mund zu Mund weitergeben ließen, was auch geschah.

Die zitierten Verse liefen wie ein Lauffeuer durch ganz Rußland und begeisterten die Menschen, rüttelten sie auf. Nicht umsonst hatte Zar Nikolai I. eine geradezu panische Angst vor Gedichten und tat alles, um sie totzuschweigen. Selbst aus den Gerichtsakten, wo sie als Anklagematerial eingeheftet waren, ließ er sie entfernen, weil er fürchtete, die Gerichtsschreiber könnten sie beim Abschreiben im Gedächtnis behalten und weitertragen. Überflüssig zu betonen, daß diese Gedichte heute in der Sowjetunion zum allgemeinen Bildungsgut gehören.

Maria widerstrebt es, die eigene Person in den Vordergrund zu stellen, sie empfindet sich nicht als Heldin, obgleich sie es ist. Sie traut sich auch kein literarisches Talent zu, obgleich sie es besitzt. Sie schreibt einen knappen, klaren Stil, kann Ereignisse und Menschen in wenigen Worten charakterisieren. Ihre Stärke ist die dokumentarische Genauigkeit der Schilderung. Philosophische Schlußfolgerungen, die andere Dekabristen aus ihren Erinnerungen ziehen, liegen Maria fern. Deshalb wurden ihre - übrigens französisch geschriebenen und später von einer Enkelin Marias ins Russische übersetzten Memoiren auch eine wichtige Quelle für die Dekabristenforschung.

Maria Wolkonskaja verfaßte die Aufzeichnungen für ihre Kinder und vertraute sie ausdrücklich der Obhut ihres Sohnes Michail an. Das hatte, wie sich erwies, mancherlei Nachteile.

Zwar war die russische Revolutionsbewegung in den fünfziger und sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts - also zu der Zeit, als Maria aus der Verbannung zurückkehrte und die Erinnerungen niederschrieb - so weit angewachsen, daß die Taten und Auffassungen der Dekabristen erneut in den Vordergrund der öffentlichen Aufmerksamkeit traten. Gleichzeitig verstärkte sich aber auch der Kampf des reaktionären Lagers gegen sie. Regierungstreue Historiker schrieben Aufsätze, in denen sie versuchten, die Sache der Dekabristen in den Schmutz zu ziehen, ihren Heroismus zu negieren, ihnen angebliche «reuige Gefühle» unterzuschieben. Nach wie vor wurden sie vom Zaren gehaßt und gefürchtet, und jeder, der mit ihnen sympathisierte, hatte von der Regierung nichts Gutes, zu erwarten.

Das wußte selbstverständlich auch Michail Wolkonski, Marias 1832 geborener Sohn. Zwar wuchs er unter Revolutionären auf, aber ihre Ideale ließen ihn kalt. Er entschied sich gegen sie, wollte Karriere machen. In Nikolai N. Murawjow, dem Generalgouverneur des östlichen Sibiriens, fand er einen wohlwollenden und einflußreichen Protektor, der ihn in den Staatsdienst aufnahm. Fleißig und regierungstreu kletterte Michail Wolkonski die Rangleiter hinauf. Nach dem Tode des Zaren Nikolai I. durfte er sogar nach Petersburg zurückkehren, in den siebziger Jahren war er bereits Staatssekretär, später wurde er Mitglied des Staatsrates und einer der höchsten Hofbeamten. Er entwickelte sich also zu einem erfolgreichen, konservativ eingestellten Vertreter der privilegierten Oberschicht. Da überrascht es nicht, daß er in Reden und Aufsätzen den revolutionären Charakter der Dekabristenbewegung leugnete. Und es ist nur logisch, daß er auch die Erinnerungen seiner Mutter der Öffentlichkeit vorenthielt, um den Zorn des Zaren nicht auf sich zu ziehen und seine Position einzubüßen.

Auf diese Weise wären die Aufzeichnungen möglicherweise für lange Zeit oder gar für immer ein Familiengeheimnis geblieben, wenn der Dichter Nikolai Nekrassow nicht eingegriffen hätte.

In den sechziger Jahren suchte Nekrassow die Bekanntschaft Michail Wolkonskis als eines Augenzeugen des Sibirienaufenthaltes der Dekabristen. Wolkonski empfing ihn nicht gerade freundlich, er wollte vermeiden, daß « ein Gerede über die nach Sibirien Verbannten zur Unzeit in die Presse käme». Dennoch erzählte er Nekrassow eines Tages von den Aufzeichnungen seiner 1863 verstorbenen Mutter. Sie interessierten den Dichter brennend, zumal er gerade an dem Poem «Russische Frauen» arbeitete, das später weltberühmt werden sollte. Deshalb bat er Wolkonski, ihm diese Aufzeichnungen zugänglich zu machen.

Wolkonski lehnte dies jedoch ab. Erst nach langem Zögern erklärte er sich bereit, sie Nekrassow vorzulesen, ohne sie ihm in die Hand zu geben. Und da sie französisch geschrieben waren, Nekrassow diese Sprache aber nur ungenügend beherrschte, übersetzte Wolkonski sie ihm beim Vorlesen ins Russische. Sie erschütterten Nekrassow tief. Ihm kamen die Tränen, und er konnte sich nur flüchtige Notizen machen.

Als er dann im Jahre 1872 den zweiten Teil seines Poems unter der Überschrift «Die Fürstin Wolkonskaja» in Angriff nahm, bat er Wolkonski, ihm die Erinnerungen für kurze Zeit zu überlassen, erhielt aber wieder eine Absage. Ja, Wolkonski verlangte als Sohn der Verfasserin außerdem die Einsicht in das Manuskript vor der Veröffentlichung. Nekrassow gehorchte.

Daraufhin strich Wolkonski mehrere Episoden, so daß das Poem nur in gekürzter Form erscheinen konnte und außerdem unvollendet blieb. Erst später, im Jahre 1904, veröffentlichte Michail Wolkonski die Erinnerungen seiner Mutter. Zu dieser Zeit hatten andere Dekabristen bereits ihre Memoiren herausgegeben, und es war sinnlos geworden, Maria Wolkonskajas Aufzeichnungen weiterhin zu verheimlichen. Doch selbst jetzt versuchte ihr Sohn, die politische Wirkung durch einen zarentreuen Kommentar, einen überhöhten Verkaufspreis und eine viel zu kleine Auflage zunichte zu machen.

1914 wurden die Erinnerungen endlich (von dem Historiker Stschegolew) in würdiger Form veröffentlicht. Doch die offizielle Kritik' griff auch diese Ausgabe an - ein Beweis, daß die Aufzeichnungen im Kampf gegen das zerfallende absolutistische System noch immer hohe Aktualität genossen.

Seitdem erfreuen sich die "Erinnerungen der Fürstin Wolkonskaja" in der Sowjetunion großer Beliebtheit. Erstmals werden sie hiermit auch in deutscher Übersetzung vorgelegt. Wir hoffen, daß sie eine Bereicherung der Dekabristenliteratur darstellen.


Dieses Buch ist leider vergriffen und nur noch gebraucht zu erwerben

Geplant ist ein Hörbuch auf 2 Audio-CD's, das voraussichtlich im Februar 2006 erscheinen soll:

ISBN: 3-938195-35-5 - Sprecher: Bärbel Reinwein, Andreas R Fritz - Gesamtlaufzeit 150 Min.

Erscheint bei: HörVerlag Rasmus - Sprache: Deutsch, 14,90 Euro.

Beschreibung: An einem Dezemberabend des Jahres 1826 verlässt die junge russische Fürstin Maria Wolkonskaja ihr Heim, ihren Sohn, ihre Eltern, um ihrem Mann, dem Dekabristen und Verschwörer Fürst Sergej Wolkonski freiwillig in die Verbannung nach Sibirien zu folgen. Begleitet von den guten Wünschen ihrer Freunde, zu denen auch der berühmte Dichter Alexander Puschkin zählt. Gefunden auf: bol.de

 

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