"Wie sich der Eisbär mit den Tieren versöhnte"

- Ein jakutisches Märchen*) -

 

Der Eisbär war überaus wütend, als die Sonne verschwunden war. Kälte und Finsternis herrschten jetzt im Himmel. Der weiße Geselle wurde griesgrämig. Eines Tages beschloss er, zu der Sonne auf die Erde hinabzusteigen.

 

"Ich bin gekommen, um mir die Sonne zu holen", sagte er zu den Tieren.

 

"Wir geben sie dir nicht", sagte der Fuchs. Er zitterte vor Schreck. "Ohne Sonne herrschten wieder Finsternis und Kälte auf der Erde."

 

"Dafür ist es jetzt im Himmel dunkel und kalt", brummte der Eisbär.

 

Die Tiere berieten sich, wurden sich aber nicht einig. Da meldete sich der Rabe Kurkyl zu Wort.

 

"Wir alle, Brüder und Schwestern, brauchen die Sonne, auch der Eisbär. Ich schlage vor, dass die Sonne den Sommer über bei uns bleibt. Die zweite Hälfte des Jahres soll sie im Himmel sein. Dann ist sowieso Winter, und viele Tiere halten den Winterschlaf. So ist es gerecht."

 

Und so taten sie auch. Seit dieser Zeit dauert im fernen Osten der Tag einen ganzen Sommer und die Nacht einen ganzen Winter lang. Der Eisbär überlegte nicht lange und zog zu den anderen Tieren auf die Erde hinab. Im Winter, wenn die Sonne im Himmel war, hielt er seinen Winterschlaf. Da brauchte er die Sonne nicht. Im Sommer war die Sonne auf der Erde. Und da lief er ihr immer hinterher."

 

Zu Maria Andrejewna und Alexander Andrejew am Polarkreis

 

*) Quelle: die Seite "KINDERSPASS" von Sabine

 

 

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