VERGESSENE VÖLKER IM WILDEN OSTEN

"... In den Weiten Sibiriens, zwischen der Beringstraße und Wladiwostok, leben Völker, von denen wir noch nicht einmal die Namen kennen: Tschuktschen, Ewenken, Nanei, Ainu, Udegejer, Niwchen, Iteljmenen, Korjaken oder Jukagiren ... Die Frage nach dem Erhalt und der Selbstbestimmung ethnischer Gruppen, Völker, Stämme und der Urbevölkerung (indigenous people) in den nunmehr als Kern-Rußland zu bezeichnenden Gebieten ist noch weitgehend ungelöst und in der Öffentlichkeit kaum diskutiert worden. In dem zu Rußland gehörenden Gebiet,Sibirien', das immer schon Teil Rußlands war und weder unter Lenin noch unter Stalin dem sowjetischen Imperium einverleibt zu werden brauchte, existieren ethnisch autochthone Gruppen, die als eingeborene Völker zu bezeichnen sind und bisher in der Weltöffentlichkeit nicht einmal zur Kenntnis genommen wurden. Demgegenüber haben sich solche eingeborenen Völker etwa in Kanada, Australien und Amerika (wie beispielsweise Eskimos, Inuit und Indianer) weitgehend einen Status erkämpft, der sie in die Lage versetzt, am politischen Entscheidungsprozeß teilzunehmen, ohne selbst den Anspruch aufeinen selbständigen Staat zu erheben.

In dem Teil Rußlands, der geographisch schlechthin als Sibirien bezeichnet wird, scheint diese Urbevölkerung durch Kolonisierung und Russifizierung nahezu untergegangen zu sein. ( . . . ) Es geht aber auch nicht darum, diesen Völkern und Stämmen nunmehr eine neue ,Staatlichkeit' beziehungsweise ,Nationalität' aufzudrücken, sondern darum, diese Menschengruppen, die in ihrer Geschichte niemals Gelegenheit hatten, sich zu gruppieren und zu formieren, gleichwohl zu schützen und zu erhalten.

Und gerade hier setzt die im Rahmen der Vereinten Nationen begonnene Debatte um den Schutz der Urvölker ein. Auch wenn eine Staatlichkeit nicht gegeben beziehungsweise die Kriterien dazu nicht vorhanden sind, ist es die Pflicht der Weltgemeinschaft, für den Schutz der Urvölker in völkerrechtspolitischer Sicht zu sorgen. Nicht zuletzt konzentriert man sich in den Diskussionen auf den Begriff ,Menschengruppen' beziehungsweise ,Bevölkerungsgruppen' und nicht mehr auf den sonst üblichen ,Minderheitenschutz'."

 

Bild und Einleitung zum Buch von Günther Doeker-Mach in dem Bildband
Vergessene Völker im wilden Osten
mit Fototgrafien von Fred Mayer - Scalo-Verlag 1993

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