Tatjana
Kuschtewskaja
Sibirienreise — die Lena
Vom Baikal bis zum Eismeer
Geschichte und Geschichten entlang dem
großen russischen Fluss
Wostok Verlag, Berlin, 2007, 196 Seiten, Ca. 64 s/w Fotos, Paperback, 15,- EUR
Die Faszination Sibiriens
treibt die Publizistin Tatjana Kuschtewskaja immer wieder um, ihre Erfahrungen
und Recherchen zu diesem immer noch von vielen Geheimnissen umgebenen Teil der
Erde den deutschen Lesern mitzuteilen. Hatte sie in ihrem Buch über die
Transsibirische Eisenbahn die Ost-West-Achse gewählt, so geht die Reise dieses
Mal von Süden, der Quelle der Lena unweit des Baikalsees, nach Norden bis zu
ihrer Mündung ins Eismeer bzw. die Laptewsee, also durch das kälteste besiedelte
Gebiet der Erde. Dass Kuschtewskaja gerade diesen unter den sibirischen Strömen
auswählt, ist kein Zufall, hat sie doch um 1970 herum acht Jahre in Lensk, am
Mittellauf der Lena, gelebt und gearbeitet und hat dieser Aufenthalt sie doch so
nachhaltig geprägt, dass sie die Lena als ,,Heimat meiner Seele” (S. 31)
bezeichnet. Wie so oft verbindet sie auch hier frühere Tagebucheintragungen mit
Beschreibungen späterer Reisen und aktuellen Beobachtungen, und auf die für
Kuschtewskaja charakteristische Weise gehen nüchterne Tatsachen mit
atmosphärischer Dichte einher. Mehr noch als in ihren früheren
Veröffentlichungen spricht sie dabei die Leser direkt an, stellt ihnen Fragen
und nimmt sie gleichsam bei der Hand auf der 4.400 km langen Strecke über den
Strom.
In sechs Kapiteln werden die einzelnen Streckenabschnitte umfassend dargestellt mit ihren jeweiligen geographischen Besonderheiten, ihrer Fauna und Flora, ihrer Geschichte von der Erschließung im 17. Jahrhundert bis in die Gegenwart sowie der Entwicklung des Transportwesens auf und entlang der Lena. Dies geschieht nicht abstrakt, sondern stets in Verbindung mit Geschichten über gefahrvolle Expeditionen und ihre Protagonisten. Wir erfahren vieles über die verschiedenen Völker, die im Gebiet der Lena leben, ihr hartes Leben und ihre Sitten und Gebräuche, vor allem über die Jakuten, da der Fluss zum überwiegenden Teil durch die Republik Sacha (Jakutien) fließt. Interessant sind dabei auch die sprachgeschichtlichen Exkurse über die Herleitung nichtrussischer Orts- und Eigennamen. Zitiert werden einige Ursprungslegenden über die Entstehung Iandschaftlicher Phänomene. Anschaulich wird das Buch vor allem dadurch, dass die Autorin ihre ganz persönlichen Eindrücke, ihre Gespräche mit der Bevölkerung und ihre zum Teil abenteuerlichen oder auch lustigen Erlebnisse bei der Erkundung der Lena und ihrer Umgebung zu Fuß, auf einem Floß, in Geländefahrzeugen oder per Kleinflugzeug einbringt.
Zu den Höhepunkten der Reise gehören die auch fotografisch festgehaltenen 20.000 Jahre alten Malereien auf drei Kilometer langen Felswänden am Oberlauf der Lena sowie die Höhlenmalereien im weiteren Verlauf; desweiteren die sogenannten Lena-Backen, eine von bizarren Felsformationen verursachte Engstelle, sowie im Mittellauf des Stroms die Lena-Säulen; die Wanderdünen in der Tundra und nicht zuletzt das Lena-Delta, das größte Flussdelta der Erde und Lebensraum seltener Tierarten. Das 1632 gegründete Jakutsk mit seinen 220.000 Einwohnern wird als Stadt mit regem Kulturleben und wichtigen wissenschaftlichen Einrichtungen wie dem Institut zur Erforschung des Permafrostbodens beschrieben …
Auszug aus der Zeitschrift ПРАКТИКА - Forum für den Russisch-Unterricht Nr. 3, September 2007
Tatjana Kuschtewskaja
Meine sibirische Flickendecke
Dokumentarischer Roman
Düsseldorf: Grupello Verlag 2004; 204 Seiten, Format: 13,4 x 21,6 cm, gebunden mit Schutzumschlag; Mit 24 Linolschnitten von Janina Kuschtewskaja unter Mitarbeit von Lilia Baischewa, ISBN 3-89978-026-4 - 19,80 Euro
Tatjana Kuschtewskaja
Transsibirische Eisenbahn
Geschichte und Geschichten
2002, 2. Auflage, 196 Seiten, mit zahlreichen Abbildungen, 15
Euro, ISBN 3-932916-17-4
156 Stunden braucht der Zug Nr. 2 mit dem
Namen "Rossija" für die 9300
Eisenbahnkilometer, die Moskau mit Wladiwostok verbinden. Die "Transsib", wie
die Russen die Magistrale zärtlich nennen, ist ein Mythos. Mit dem Bau der
Strecke wurde 1891 begonnen, 1916 war sie fertiggestellt. Die Transsib hält die
Reiselustigen in Atem: Sie verdreht ihnen den Kopf, macht sie neugierig, gibt
sich in einem Moment vertraut, um dann plötzlich im Nebel zu verschwinden, und
dann auf einmal brodelt draußen vor dem Fenster ein fremdes Leben, das
fasziniert und verzaubert. Die Transsib hat etwas Anziehend-Rätselhaftes, das
seit eh und je die ganze Welt lockte und heute noch lockt. Tatjana Kuschtewskaja
führt den Leser in die Geschichte und in die Städte, sie beschreibt traumhaft
schöne Landschaften, erzählt von der Mentalität und der Kultur der russischen
Menschen und zeichnet so ein lebhaftes Bild vom Leben auf und entlang der
Transsibirischen Eisenbahn.