Märchen und Legenden aus Sibirien

 

Legende über die Entstehung des Baikal

 

Früher erzählten die Alten Geschichten wie diese darüber wie der Baikalsee entstand.

 

Es gibt nicht allzuviel Erde auf der Erde. Jedermann weiß, daß man nicht sonderlich tief zu graben braucht, um nur noch auf Sand, Kies, Steine, Lehm und andere Materialien zu stoßen. Und je tiefer man gräbt, desto steiniger wird der Boden, bis der Boden dann nur noch aus Steinen besteht. Gräbt man noch tiefer dann trifft man am Ende auf das Grundwasser. Tief unter der Erde findet man ganz andere Steine als an der Oberfläche. Zum Beispiel Steine, die glühend heiß werden und brechen, sobald Sie mit Wasser in Berührung kommen. Von diesen Steinen gibt es eine Menge unter der Erde, viel mehr als an der Erdoberfläche. Vor Tausenden von Jahren, so erzählt uns die Legende kamen eben diese Steine tief unter der Erde mit Wasser in Berührung und wurden heißer und heißer. Das Wasser begann zu kochen, doch der Wasserdampf konnte nicht entweichen. Der Dampf wanderte von einer Seite zur anderen und verdrängte die Erde und erschütterte den ganzen Boden. Der Dampf kämpfte sich einen Weg nach oben zur Oberfläche und hinterließ gleichzeitig ein Loch, in das der Boden nachrutschte. Als der Dampf abgekühlte wurde das Wasser wieder flüssig und bedeckte all die tiefen Stellen, bis zu den Bergen, wo der Weg für das Wasser endete und so war ein riesiger See entstanden, der Baikalsee. Dem See wird nachgesagt, mit dem Arktischen Ocean verwandt zu sein, und es gibt viele Geschichten über Boote die im Baikalsee gesunken sind und im Arktischen Ozean wieder gefunden wurden und umgekehrt.

 

Außerdem: Legenden vom Grabenbruch am Baikal: "Prowal" und von der Insel Olchon

 


 

Die Schwanentöchter des Baikals - ein burjatisches Märchen
 

Vor langer langer Zeit sah ein junger Jäger, wie eine Gruppe Schwäne sich auf dem Baikal niederließ. Sie schwammen zum Ufer und zu seinem Erstaunen sah er, wie sie ihr Gefieder ablegten und dreizehn wunderschöne junge Mädchen hervorkamen. Er versteckte sich hinter einem Felsen und beobachtete sie beim baden.

 

Da er sie nicht einfach wieder wegfliegen lassen wollte, stahl er heimlich eins der Gefieder. Doch die Mädchen hörten ihn. Sie kamen schnell zurück, verwandelten sich wieder in Schwäne und flogen dann davon. Nur die dreizehnte konnte nicht fliehen, da er ihr Gefieder versteckt hatte. Als sie jedoch sah, dass er jung und stark war, blieb sie gern bei ihm und folgte ihm in sein Zuhause.

 

Zwanzig Jahre lebten sie glücklich zusammen und sie gebar ihm dreizehn gesunde Kinder. Aber immer wieder sehnte sie sich nach ihren Schwestern und fragte nach ihnen. Als die Kinder alt genug waren, bat sie ihren Mann wieder, ihr das Gefieder zurückzugeben, damit sie ihre Schwestern besuchen könne. Er gab es ihr nur ungern, da er sie nicht verlieren wollte, aber er hatte auch ein schlechtes Gewissen, weil er es ihr gestohlen hatte.

 

Kaum hatte sie jedoch ihr Gefieder wieder angelegt, flog sie aus dem Fenster davon und kam nie wieder. Und seitdem warten ihre Kinder und Kindeskinder jedes Jahr auf die Rückkehr der Schwäne.

 

Dieses und weitere Märchen auf 'baikalhostels'

 

 

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