Ivan Andreevič Krylov

Иван Андреевич Крылов

1769-1844

 

Schwan, Hecht und Krebs (1814)
 

Wenn unter Freunden Einigkeit nicht herrscht,
Läuft ihre Sache meist verkehrt,
Am Ende stehen dann die Dinge schlecht.

Einmal wollten Schwan und Krebs und Hecht
Mit einem Leiterwagen eine Fuhre machen
Und luden auf zusammen alle ihre Sachen;
Sie ziehn mit aller Kraft – die Last rührt sich kein Stück!
Zwar würde sich der Wagen leicht bewegen lassen,
Doch zieht der Hecht hinab ins Wasser,
Der Schwan will zu den Wolken hin, es kriecht der Krebs zurück.
Wer recht hat oder nicht, wer will's von uns entscheiden?
Bis heute muss die Last jedoch an selber Stelle bleiben.

Лебедь, Щука и Рак

Когда в товарищах согласья нет,
На лад их дело не пойдет,
И выйдет из него не дело, только мука.
 
Однажды Лебедь, Рак и Щука
Везти с поклажей воз взялись,
И вместе трое все в него впряглись;
Из кожи лезут вон, а возу все нет ходу!
Поклажа бы для них казалась и легка:
Да Лебедь рвется в облака,
Рак пятится назад, а Щука тянет в воду.
Кто виноват из них, кто прав, – судить не нам;
Да только воз и ныне там.

Die Fabel spielt auf die bekannte Trojka an, die den russischen Staat symbolisiert. Der Schwan vertritt die orthodoxe Geistlichkeit (himmelstrebend), der Krebs den zur uneingeschränkten Monarchie zurückstrebenden Zaren und der Hecht die zum Volk strebenden Adligen, die raubfischgleich die kleinen Fische verschlingen.

â Eric Boerner, Illeguan á


 

Das Quartett

КВАРТЕТ

 

 

Der Affe, der stets hinter Streichen her,
Der Esel im grauen Rock,
Dazu noch der Ziegenbock
Und schließlich mit mächtigen Pranken der Bär -
Die hatten vor, zu vieren
Unter Linden zu musizieren.
Noten, Cello, Bratsche, zwei Geigen
Brachten sie mit, ihre Kunst zu zeigen.
Legten gleich los. Kam nichts raus als Gekratz.
Der Affe klopft ab schon im ersten Satz:
»Halt, Freunde, warum so hetzen! Geduld, Geduld!
Am allem ist eins nur schuld:
Wir sitzen falsch, erst mal richtig sich setzen.
Erlaub mir, daß ich dich, Meister Petz,
Mit dem Cello der Bratsche gegenübersetz,
Geig gegen Geige. So. Aufgepaßt! Bald
Tanzen nach unserm Takt Berge und Wald.«
Doch als mans wieder aufnimmt,
Gehts schlimmer als vorher, nichts stimmt.
»Augenblick mall« schreit der Esel jetzt,
»Ich habs! Viel besser ists doch, man setzt
Seite an Seite sich, so daß man statt
Blickrichtung Ellbogenfühlung hat.«
Aber was hilfts, daß man streng ausgerichtet -
Das Chaos der Töne sich keineswegs lichtet.
Da fallen Bock, Aff, Esel, Bär
Mit Gezänk übereinander her.
Vom Streit, wie man sitzen soll, angezogen,
Kam die Nachtigall zu den Linden geflogen.
Die viere gingen sie gleich an um Rat.
»Woran kanns nur liegen! Sieh, Nachtigall, wir
Sind, wies zu einem Quartett gehört, vier.
Kein Zweifel, daß jeder sein Bestes tat -
Und wir haben, weiß Gott, äußerst griffige Pfoten!
Instrumente vollzählig, in Ordnung die Noten,
Und doch klappts nicht. Es muß doch zuletzt
Daran liegen, wie man sich setzt!«
»An was anderm«, erwidert die Nachtigall,
»Scheint mirs zu liegen in eurem Fall:
Mit etwas zarteren Ohren
Werden Musikanten geboren.
Solang man so wichtig sich tut um den Platz,
Gibts immer Gekratz.«

 

(Übersetzt von Hans Baumann)*)

 

 

Проказница-Мартышка,
            Осел,
            Козел
       Да косолапый Мишка
       Затеяли сыграть Квартет.
Достали нот, баса, альта, две скрипки
   И сели на лужок под липки,-
   Пленять своим искусством свет.
Ударили в смычки, дерут, а толку нет.
"Стой, братцы, стой! - кричит Мартышка. -
                                      Погодите!
Как музыке идти? Ведь вы не так сидите.
Ты с басом, Мишенька, садись против альта,
        Я, прима, сяду против вторы;
    Тогда пойдет уж музыка не та:
        У нас запляшут лес и горы!"
        Расселись, начали Квартет;
        Он все-таки на лад нейдет.
        "Постойте ж, я сыскал секрет?-
    Кричит Осел,- мы, верно, уж поладим,
        Коль рядом сядем".
Послушались Осла: уселись чинно в ряд;
   А все-таки Квартет нейдет на лад.
Вот пуще прежнего пошли у них разборы
            И споры,
       Кому и как сидеть.
Случилось Соловью на шум их прилететь.
Тут с просьбой все к нему, чтоб их решить сомненье.
"Пожалуй,- говорят,- возьми на час терпенье,
Чтобы Квартет в порядок наш привесть:
И ноты есть у нас, и инструменты есть,
       Скажи лишь, как нам сесть!" -
"Чтоб музыкантом быть, так надобно уменье
       И уши ваших понежней,-
       Им отвечает Соловей,-
       А вы, друзья, как ни садитесь;
       Всё в музыканты не годитесь".

<1811>

 

Das Kästchen

ЛАРЧИК

 

Ihr alle wißt, wie häufig es geschieht,
Daß man ein Ding zunächst sehr schwierig sieht.
Dabei läg doch darin die ganze List,
Zu sehn, wie einfach eine Sache ist.
Ein kleines Kästchen ging von Hand zu Hand.
Es war von einem Meister hergestellt -
So hübsch, daß es gleich in die Augen fällt.
Ein Mann, der von Mechanik was verstand,
Trat auch dazu, sieht hin, und er entdeckt,
Daß in dem Kästchen ein Geheimnis steckt.
Er sagt: »Nicht eine Spur von Schloß, doch ich
Brings auf, ob ihr auch grinst, ich sicherlich.
Ihr werdet sehn, ich komm gleich auf den Dreh,
Weil ich ja von Mechanik was versteh.«
Ans Kästchen macht sich unser Mann,
Sieht es von allen Seiten an,
Um jeden Nagel, jeden Knopf
Zermartert er sich seinen Kopf.
Mit wachsendem Verwundern sehn
Die übrigen ihn ratlos stehn.
Man tuschelt, spöttelt rings im Chor,
Ein Rauschen ist in seinem Ohr:
»Nicht so und auch nicht so ... « Er plagt sich sehr
Und schwitzt und mag zuletzt nicht mehr.
Er legt das Kästchen aus der Hand.
Ein Mensch, der von Mechanik nichts verstand,
Greift zu. Nun gings. Es war einfach zum Lachen:
Man brauchte nur den Deckel aufzumachen.

(Übersetzt von Hans Baumann)*)

 

Случается нередко нам
И труд и мудрость видеть там,
Где стоит только догадаться
За дело просто взяться.
________
К кому-то принесли от мастера Ларец.
Отделкой, чистотой Ларец в глаза кидался;
Ну, всякий Ларчиком прекрасным любовался.
Вот входит в комнату механики мудрец.
Взглянув на Ларчик, он сказал: "Ларец с секретом,
Так; он и без замка;
А я берусь открыть; да, да, уверен в этом;
Не смейтесь так исподтишка!
Я отыщу секрет и Ларчик вам открою:
В механике и я чего-нибудь да стою".
Вот за Ларец принялся он:
Вертит его со всех сторон
И голову свою ломает;
То гвоздик, то другой, то скобку пожимает.
Тут, глядя на него, иной
Качает головой;
Те шепчутся, а те смеются меж собой.
В ушах лишь только отдается:
"Не тут, не так, не там!" Механик пуще рвется.
Потел, потел; но, наконец, устал,
От Ларчика отстал
И, как открыть его, никак не догадался:
А Ларчик просто открывался.

1807

 

Der Wißbegierige

»Wie geht es, Lieber, wo hast du gesteckt?«
»Ich hab mir mein Amerika entdeckt:
Drei Stunden im Museum für Natur!
Was es dort gibt! Des Lebens kleinste Spur
Hat in der Brust Begeisterung erweckt.
Ein Riesenbau, mit Wundem wie gespickt!
Man glaubt ja nicht, wozu Natur sich schickt.
Was für Getier, geflügelt und beklaut!
Und was für Schmetterlinge, Fliegen,
die weniger als gar nichts wiegen.
Smaragdmistkäfer, Purpurläuse,
Termitenpuppen, Zwerggehäuse,
Stecknadelgroß, daß man dem Aug nicht traut!«
»Und wie war dir in jenem Saal zumut,
Wo sich der Elefant so mächtig tut?«
»Ein Elefant?«
»Ein Turm!«
»Da muß ich dir gestehn:
Den Elefanten hab ich nicht gesehn!«

 

(Übersetzt von Hans Baumann)*)


*) Literatur: Russische Lyrik 1185-1963. Ausgewählt und übersetzt von Hans Baumann. Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1963

 

Zu weiteren Fabeln von Krylow

Zu seiner Biographie

Russische Seite (по-русски)

 

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